Fachanwälte für Medizinrecht gibt es viele. Die Mehrheit ist auf Seiten der Krankenhäuser/Ärzte tätig. Die Fachanwaltschaft sagt also noch nichts darüber aus, ob jemand Patienten vertritt. Eine Minderheit der Fachanwälte für Medizinrecht vertritt Patienten.
Unter einem Patientenanwalt verstehe ich einen Anwalt, der ausschließlich im Patientenrecht tätig ist. Nicht in anderen Rechtsgebieten und nicht für die Arzt-/Krankenhausseite. Meist wird ein Patientenanwalt auch Fachanwalt für Medizinrecht sein.
Die Trennung zwischen Patientenanwälten und Arzt-/Krankenhaus-Anwälten ist nicht vorgeschrieben. Aber praktisch. Denn in Arzthaftungssachen ist die Zahl der Haftpflichtversicherungen überschaubar. Sie treffen also mit der Zeit immer auf dieselben Sachbearbeiter. Und als Anwalt können Sie schlecht mit demselben Sachbearbeiter einer Haftpflichtversicherung heute in einer Patientensache als Gegner sprechen und morgen, in einer Arztsache, wie mit einem Mandanten.
Was tut ein Patientenanwalt?
Fast alle Patientenanwälte, die ich kenne, sind ganz überwiegend zivilrechtlich im Arzthaftungsrecht tätig, stellen also für geschädigte Patienten Schadenersatzforderungen wegen ärztlicher Behandlungsfehler. Ein Patientenanwalt vertritt geschädigte Patienten also
- außergerichtlich, indem er Ansprüche gegenüber Ärzten/Krankenhäusern stellt,
- in den Schlichtungsverfahren der Ärztekammern der Bundesländer,
- vor Gericht.
Dazu arbeitet ein Patientenanwalt in der Regel den Sachverhalt auf, beziffert den Schadenersatz und führt den Schriftverkehr mit der Gegenseite, einer Schlichtungsstelle und dem Gericht.
Den Sachverhalt aufzuarbeiten heißt, anhand von Behandlungsakten oder Gedächtnisprotokollen jene Tatsachen herauszuarbeiten, die juristisch die Voraussetzungen für einen Schadenersatzanspruch darstellen. Weder ein Fehler allein, noch ein Schaden begründet einen Schadenersatzanspruch, sondern nur der Nachweis der Kausalkette Fehler - Ursache - Schaden. Das setzt aber eine medizinische Bewertung voraus, so dass der Patientenanwalt auf medizinische Sachverständige angewiesen ist (wenn nicht gerade der Fehler offensichtlich ist wie bei einer Patientenverwechselung).
Der Begriff des Patientenrechts ist viel weiter und umfasst auch Streitigkeiten beispielsweise mit der gesetzlichen Krankenversicherung oder mit der gesetzlichen Rentenversicherung, Streitigkeiten um den Grad der Behinderung oder insbesondere das Merkzeichen "aG" für außergewöhnliche Gehbehinderung im Behindertenausweis. Diese Streitigkeiten gehören aber vor das Sozialgericht. Daher findet man einen geeigneten Anwalt für diese Streitigkeiten eher unter den Fachanwälten für Sozialrecht.
Was kostet ein Patientenanwalt?
Die meisten Patientenanwälte, die ich kenne, rechnen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ab. Dort ist kein Stundensatz vorgesehen, sondern abhängig vom Streitwert außergerichtlich eine Rahmengebühr (1,3 bis 2,5facher Satz) und vor Gericht entsteht eine 1,3fache Verfahrensgebühr und eine 1,2fache Terminsgebühr (siehe Kosten).
Wie finden Sie den richtigen Patientenanwalt?
Ich rate Ihnen:
- Nehmen Sie einen Spezialisten, also einen Fachanwalt für Medizinrecht, der ausschließlich die Patientenseite vertritt!
- Nehmen Sie einen erfahrenen Patientenanwalt, der das schon lange tut!
- Nehmen Sie einen Anwalt vor Ort, jedenfalls einen, der das zuständige Gericht kennt (in der Regel am Sitz des Arztes/Krankenhauses)!
- Lassen Sie sich erklären, in welchen Zeiträumen was zu erwarten ist und geschehen soll! Erfahren Sie mehr über meine Arbeitsweise und über mich.
- Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Sie nach der Erstberatung ein schlechtes Gefühl haben, unterschreiben Sie keine Vollmacht! Hören Sie sich lieber noch eine Erstberatung bei einem anderen Anwalt an. Denn Arzthaftungssachen dauern, und Sie müssen mit dem Anwalt lange auskommen. Und nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz wird kein Stundenhonorar bezahlt, sondern eine pauschale Rahmengebühr. Daher bezahlt die Rechtsschutzversicherung grundsätzlich keinen zweiten Anwalt.
- Lassen Sie sich schon in der Erstberatung zumindest anhand eines Beispiel-Gegenstandswertes genau erklären, wann wofür welche Kosten anfallen!